Konzert ohne Dichter

  • Titel: Konzert ohne Dichter
  • Autor: Modick, Klaus
  • Verlag: Kiepenheuer & Witsch GmbH
  • ISBN: 9783462047417
  • Erschienen: Oktober 2016
  • Einband: Taschenbuch
  • Umfang: 240
  • Preis: 9,99 €
In den Warenkorb

rezensiert
von:

Anke Beckmann

Anke Beckmann

Klaus Modick entführt den Leser in seinem neuen Roman in die Welt Heinrich Vogelers, nach Worpswede in die berühmte Künstlerkolonie und ihre Hauptdarsteller. Tage bevor Vogeler die Goldene Medaille für Kunst und Wissenschaft verliehen bekommt, begleiten wir diesen von der Kunstwelt gefeierten Künstler in seinen Erinnerungen. Modick beschwört die eigene Atmosphäre der Landschaft herauf, wie das Lebensgefühl, das die Künstler erlebten, gestalteten und in ihrer eigenen Sichtweise darstellten. Zentrales Thema ist das berühmteste Gemälde Vogelers, „Sommerabend“, das im Grunde die gesammelten Zweifel des Künstlers nach fünfjähriger Arbeit darstellt.

 

Meint man, einen düsteren Abgesang eines Zweifelnden begleiten zu müssen, liegt man falsch. Durch Vogelers Erinnerungen erfahren wir von den Anfängen der Künstlerkolonie, der Begeisterung der Bewohner für diese eigene Landschaft und deren Bewohner. Die Suche nach Wahrhaftigkeit, Harmonie und Verschönerung des Lebens lebt mit Vogelers Gedanken genauso auf, wie die Faszination für den so eigenwilligen Rilke. Heinrich Vogeler und Rainer Maria Rilke lernten sich in Italien kennen und schätzen. Doch die tiefe Seelenverwandschaft schlug um in tiefe Verachtung. Während Vogeler fleißig an der Verschönerung von Texten und Räumen arbeitet, kommt Rilke als Schmarotzer und Frauenheld und Verfasser unsäglich schlechter Gedichte in Vogelers Augen nicht gut davon.
Bei Fertigstellung des Gemäldes „Sommerabend“ bleibt ein Stuhl der musizierenden Künstler frei. Rilke wurde aus dem Bild heraus katapultiert. Aber auch die verbliebenen Künstler sehen nicht frei und glücklich aus. Bei näherer Betrachtung kann man erahnen, das die Ära Worpswede ihre strahlende Kraft verloren hat – mit den Augen Heinrich Vogelers.

 

Er zweifelt an seiner Kunst, an seiner Ehe und der Lebensform der Kolonie. Klaus Modick versteht es, auf charmante Art und Weise Bildungslücken zu füllen und dabei dem Leser Vergnügen zu bereiten.

Kommentar schreiben

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Andere Bücher die Sie interessieren könnten

  1. neu

    Jan Němec

    die geschichte des lichts

    464 Seiten | 22 €

    Meine Empfehlung ist ein typisches Backhausbuch, eine Perle und Entdeckung aus einem kleineren literarischen Verlag. Die Lorbeeren für …

  2. neu

    Takis Würger

    Stella

    219 Seiten | 22 €

    Das Leben der Stella Goldschlag ganz anders erzählt. Ein junger Mann kommt 1942 nach Berlin. In einer Kunstschule trifft er eine Frau. …

  3. neu

    Èdouard Louis

    Wer hat meinen Vater umgebracht

    80 Seiten | 16 €

    Èdouard Louis – „Wer hat meinen Vater umgebracht“ Großartig übersetzt von Hinrich Schmidt-Henkel ist dieses neue …